Der LinuxTag 2007 ist Vergangenheit
June 10th, 2007 — red_alertHeute vor einer Woche schlossen sich die Tore des LinuxTag 2007 in Berlin und nur einen Tag danach habe ich mich (frueh morgens) auch wieder von Berlin verabschiedet. Es folgt ein nicht sehr kurzer Review meiner Reise und meines Aufenthaltes.
Anreise
Nach einer absolut schlaflosen Nacht habe ich mich am Dienstag vor dem LinuxTag um 05:00 auf den Weg gemacht. Weil so frueh morgens bei uns natuerlich noch keine Busse fahren, hat mich mein Vater an den Bahnhof gestellt. Dort bin ich dann in die erste S1 des Tages gestiegen und bis Wankdorf gefahren, wo bereits Fabian Affolter mit seinem Auto auf mich gewartet hat. Zusammen sind wir dann zu Gerold Kassube gefahren. Natuerlich nicht, ohne am Zoll noch meine ID und Fabian’s Pass, Fuehrer- und Fahrzeugschein genau kontrollieren zu lassen.
Anschliessend durften wir noch kurz aussteigen um das gesamte Auto durchsuchen zu lassen, inkl. unserem Gepaeck. Naja, um diese Uhrzeit lief an dem Zolluebergang noch nicht viel, irgendwas mussten die Polizisten dort ja gegen ihre Langeweile tun sonst heisst es noch, dass diese nix tun fuer ihr Geld. Als sie dann auch nichts gefunden haben konnten wir weiterzu Gerold fahren. Von dort aus hat uns dann seine Frau noch zum EuroAirport Basel gebracht.
Der Flughafen Basel/Mulhouse ist wirklich klein und es war wohl noch nicht einmal 8 Uhr vorbei. Dementsprechend wenig Leute, wenig Schlangen und wenig Wartezeit gab es.
Nach einem wirklich kurzen Flug – auf dem wir sogar 10 Minuten schneller waren als geplant – sind wir in Berlin Schoenefeld gelandet. Schon wieder so ein kleiner Flughafen total ausserhalb von aller Zivilisation. Nachdem wir eine halbe – oder sogar dreiviertel – Ewigkeit auf unser Gepaeck gewartet haben, wollten wir dann die S-Bahn in die Stadt nehmen. Zuvor mussten wir uns aber noch eine 7-Tage-Karte loesen. In der Schweiz – vorallem an einem Flughafen mit Bahnanschluss – waere das kein Problem und in weniger als 5 Minuten erledigt. Nicht so in Berlin. Zuerst wollten wir am Schalter des Bahnhofs unsere Tickets besorgen – dort standen aber bereits ueber n halbes Duzend Leute an. Naja, kurz anstehen halt…als ich einmal in London Heathrow ein U-Bahn-Ticket kaufen wollte, standen weitaus mehr an. Aber Berlin ist wohl nicht London. Wir standen ewig an – bei nur einem offenen Schalter – und die Schlange hat sich nicht um eine einzige Person verkuerzt. Also haben wir uns nach einem Automaten umgesehen und schnell einen gesehen. Der Automat nahm allerdings nur Karten, aber was solls…wir haben einige ECs und Kreditkarten dabei. Nur dumm, akzeptiert der Automat keine davon – vermutlich is der Kartenleser futsch. Also weiter anstehen. Nebenbei machen wir uns auf die Suche nach einem anderen Automaten und nach einiger Zeit findet Fabian dann auch einen der funktioniert – die Warteschlange hat sich bis dahin uebrigens noch immer nicht bewegt. Das Warteschlangen-Problem schien zuerst der Azubi zu sein, mit einer Ausbildnerin im Ruecken. Aber am Ende sah es so aus, als ob die Ausbildnerin auch nicht mehr wusste als der Azubi selbst. Jedenfalls wurde dann wild rum telefoniert weil irgendwas nicht klappte oder so.
Als wir endlich das Ticket hatten gings schnell in die S-Bahn. Aber eigentlich haetten wir uns auch alle Zeit der Welt nehmen koennen, der Zug fuhr naemlich noch sehr lange nicht ab. In der Zwischnzeit meldeten sich immer mehr Fedora Ambassadors bei Gerold, weil wir schon lange am Hostel erwartet wurden und auch langsam bei der Messe haetten auftauchen sollen. Irgendjemand meldete sich mal und meldete, dass er mit der S-Bahn schon am Bahnhof Spandau seien und auf uns warteten. Schoen, irgendwann kommen wir evtl auch noch. Aber Moment mal? Bahnhof Spandau? Das ist das andere Ende der S-Bahn Linie in der wir sassen. Wir wollten aber nur bis Ostbahnhof fahren, weil dort unser Hostel in der Naehe war. Nix mit auf uns warten in Spandau. Nach einer Weile fuhr unser Zug dann auch tatsaechlich zum Ostbahnhof.
Dort angekommen hatten wir eigentlich keine Ahnung, wo es nun durch geht. Aber im Bahnhof war die gesuchte Strasse angeschrieben und wir dachten zu wissen in welche Richtung wir dieser folgen muessen um zum Hostel zu kommen. Gleich vor dem Bahnhof waren die Nummern 11-17 und wir mussten zur Nummer 35 – keine grosse Sache also. Nachdem wir 2-3 grossen Wohnblocks entlang gelaufen sind kamen ploetzlich die Nummern 3-5 und wir waren nicht mehr in der gesuchten Strasse sondern auf einem Platz. Falsche Richtung also – umkehren und auf der anderen Seite des Bahnhofs suchen. Dort angekommen mussten wir aber wiederum merken, dass die Strasse auf der anderen Seite gar nicht weiter geht. Nun ziemlich verloren entschlossen wir uns halt ein dort stehendes Taxi fuer den kurzen Weg zu nehmen. Beim Taxistand wurde uns aber nur immer wieder erklaert, dass das gleich auf der anderen Seite des Bahnhofs (auf der wir zuerst waren) liegt, nur 2-3 Kreuzungen entfernt. Fahren wollte uns anscheinend niemand, die Taxifahrer in Berlin scheinen es nicht noetig zu haben. Also liefen wir erneut in diese Richtung los. Bei Gerold’s Koffer ist noch eines von zwei Raedern abgebrochen, also musste dieser von nun an getragen werden. Irgendwann kamen wir wieder auf diesen Platz, doch diesmal sind wir einfach weiter gelaufen. Kurz spaeter ging die gesucht Strasse dann auch tatsaechlich noch weiter und schon bald waren wir beim Hostel angekommen.
Hostel
Im Hostel Pegasus angekommen mussten wir erst einmal einchecken. Es hat sich schnell heraus gestellt, dass einige Ambassadors schon angekommen waren – dank unserer grossen Verspaetung war das auch zu erwarten. Aber einige fehlten auch noch. Nachdem Gerold seinen Koffer bereits bis zum Hostel tragen musste, kriegte er nun auch noch ein Zimmer im 5. Stock – ohne Lift. Ich und Fabian hatten es bequemer im 1. Stock. Ich hatte zusammen mit zwei Ambassadors ein Dreierzimmer, war aber der erste vor Ort. Kurz den Mantel auf ein Bett geworfen und dann ging ich raus um auf den Rest zu warten und dann den Messestand aufzubauen. Aber dazu spaeter.
Das Hostel ist gut gelegen, zwischen der S-Bahn-Station Ostbahnhof und der U-Bahn-Station Weberwiese. Gleich beim Hostel gab es zwei Restaurants und gleich gegenueber gab es einen kleinen Edeka Supermarkt. Ebenfalls nahe waeren eine Apotheke und eine Baeckerei, nur eine U-Bahn-Station weiter (auf so kurze Distanz ist man zu Fuss fast schneller) gab es einen McDonalds.
Im Hostel selber gab es – leider erst ab Tag 2 – gratis WLAN, wovon wir Abends auch viel Gebrauch gemacht haben. So sassen Abends meist viele Ambassadors im Raum der Reception hinter Ihrem Notebook, wenn Sie nicht gerade im Restaurant ein Bier tranken. Einige Ambassadors haben als Folge in den meisten Naechten erst um etwa 4 Uhr morgens das Bett gefunden.
Auf- und Abbau Messestand
Der Aufbau ging recht rasch – und wenn alle gewusst haetten, wie es zuletzt in etwa aussehen soll, waere es noch um einiges schneller gegangen. Bis auf zwei Tische und 3 oder 4 Stuehle waren alle Moebel schon dort. Bisschen Deko hin haengen und die Hardware hin stellen und verkabeln. Als wir fast fertig waren kam noch so n Security Typ und meinte, dass es eine gute Idee waere, die Hardware ueber Nacht zu bewachen bzw. bewachen zu lassen. Auf Anfrage wusste der Herr auch noch gleich zu sagen, dass es 21 Euro/h kosten wuerde, den Stand bewachen zu lassen. Krasser Preis – schliesslich muesste das Zeugs jede Nacht von etwa 18:30 bis 08:30 bewacht werden, macht pro Nacht 14h oder fast 300 Euro pro Nacht. Das Ganze DI-SA, also 4 mal – macht fast 1′200 Euro nur fuers bewachen lassen. Ich glaube, das hat sich keiner einziger Stand auf der ganzen Veranstaltung geleistet. Wenigstens war es moeglich, die Hardware gratis in einem separaten Raum ein zu schliessen. Davon haben wir und 2-3 andere Aussteller gebrauch gemacht, aber die meisten haben ihr Zeugs rum stehen lassen – naja, IBM, Trolltech und Sun (u.v.a.) konnten sich wohl leisten wenn mal einer der grossen Flachbildschirme o.ae. weg kommen sollte.
Jedenfalls durften wir dadurch kurz nach dem Aufbau die Hardware wieder abbauen und verstauen. Dadurch mussten wir natuerlich diese auch jeden Morgen neu aufbauen und jeden Abend erneut abbauen.
Fuer den Abbau gab es eigentlich genug Zeit – der Sonntag war von den Veranstaltern extra dafuer geplant. Den Ausstellern wurde per Mail sogar mitgeteilt, dass nicht vor Samstag 18:00 abgebaut werden soll. Naja, um diese Zeit waren die meisten so ziemlich fertig damit, begonnen wurde etwa ne Stunde zuvor. Am Sonntag waren wohl nur noch die Staende am abbauen, die dafuer spezielle Leute angestellt haben dann zu kommen.
FAD
Am Abend des Aufbaus fand noch ein Fedora Ambassadors Day statt. Dabei wurden einige Probleme aufgeworfen, vorallem dass die Ambassadors Meetings im IRC zu unguenstigen Zeiten statt finden bzw. es keine gute Zeit fuer ein weltweites Treffen geben kann. Deshalb sollten die Treffen in Zukunft regional organisiert werden. Ausserdem braeuchte die Fedora Community einen Ansprechpartner bei Red Hat der in Europe arbeitet und fuer die Europaer da ist. Sozusagen ein Max Spevack fuer Europa.
Um konkrete Loesungen oder auch nur Loesungsansaetze auszuarbeiten blieb an diesem Abend keine Zeit, dies wuerde dann auf Freitag Abend verschoben. Davon gibt es ein Protokoll, aber sehr viel erreicht wurde dort IMHO auch nicht. Ich selber war aber nicht dabei, doch dazu wiederum spaeter noch.
LinuxTag 2007
Der LinuxTag 2007 an sich war eine Messe wie jede andere. Manchmal ein grosser Ansturm und manchmal laeuft einfach nix. Wenn nichts los ist, kann man die Zeit aber ganz gut fuer anderes nutzen: Kaffeepause, Mittagessen, Austausch unter den Ausstellern/Projekten, neue Kontakte schliessen, etwas am eigenen Stand umbauen, u.v.m. Das alles klingt eher nebensaechlich, aber das ist es normalerweise nicht und das ist auch gut so.
So haben wir uns zum Beispiel mit den Jungs von der [Be]LUG – das ist die Berliner Linux User Group – gut angefreundet. Fedora 7 kam 12h zu spaet raus um noch den geplanten Auftrag fuer 2′000 DVDs zu erteilen. Da die [Be]LUG aber eine Brennstation betrieben hat, auf welcher alle aktuellen Distributionen gebrannt wurden, wurde uns angeboten, dass wir alle Anfragen nach F7 DVDs zu ihnen senden koennen. Das haben wir dankbar angenommen und auch die Messebesucher schienen das Angebot dankend zu akzeptieren. Gegen das Ende des LinuxTages wurde uns jedenfalls mal mitgeteilt, dass 4 von 5 gebrannten DVDs ein F7 darauf hatten.
Die [Be]LUG-Jungs haben im Laufe der Veranstaltung auch mal ein F7 auf einen ihrer Rechner installiert – weil sie sich gewundert haben, ob die Distribution denn wirklich so gut sein kann wie wir und viele Ihrer DVD-Abnehmer gesagt haben – so habe ich es jedenfalls mit gekriegt, wird sich also in Wirklichkeit wohl irgendwie anders ereignet haben. Jedenfalls habe ich von der [Be]LUG selber erfahren, dass die Installation nur gerade mal 23 Minuten gedauert hat und dass der PC ueber irgendeine Audio-Hardware verfuegt, die noch ueberhaupt nie lief – unter F7 aber auf anhieb.
Fedora 7 kam uebrigens am Donnerstag raus, wir hatten aber am Mittwoch schon einen Early-Mirror auf unserem Stand. Mit unserem Mirror konnte man ueber das WLAN des LinuxTag bzw. direkt an unserem Switch das ISOs oder den Tree downloaden, ein Upgrade auf F7 durchfuehren oder F7 via PXE installieren. Das LinuxTag WLAN war uebrigens inkl. Internet-Access fuer alle gratis. Den Ausstellern stand zudem ein LAN zur Verfuegung.
Ach ja, ich sollte noch erwaehnen, wer unseren Stand ueberhaupt alles betreut hat. Wir waren mit Abstand der Aussteller mit den meisten Leuten im Team. Und fast alle waren fast immer vor Ort. Damit konnten wir auch dem groessten Ansturm gerecht werden und hatten in den ruhigeren Zeiten immer jemanden der zu nem Kaffee mitkam. Mit dabei waren etwa 18 Fedora Ambassadors – darunter 2 Red Hat Angestellte aus den USA: Max Spevack, Fedora Project Leader und Mike McGrath, Fedora Infrastructure Senior; Kushal Das aus Indien; Nayyar Ahmad aus Mosambik; Francesco Ugolini aus Italien; Pawel Sadowski aus Polen; Jeroen van Meeuwen aus den Niederlanden und jede Menge Ambassadors aus Deutschland – sowie 2-3 Schweizern. Ausserdem waren noch verschiedene Red Hat Mitarbeiter ab und zu anzutreffen, unter anderen: Jan Wildeboer, Matthias Kranz und Marion Roth. Ersterer brachte uns auch einen OLPC und letztere suchte nach neuen Mitarbeitern fuer Red Hat – und fing damit gleich bei uns Ambassadors an. Einen weiteren bzw. unseren ersten OLPC brachte uns uebrigens Max Spevack mit. Mit dem ersten kannte ich mich auch einmal recht gut aus, bis Jan Wildeboer mit dem anderen daher kam und beide auf denselben, aktuellsten Stand brachte – von da an war fast alles ein bisschen anders oder ganz neu. Ach ja, Jan und Marion trugen uebrigens den roten Fedora den alle Red Hat Mitarbeiter kriegen – leider hatten sie aber keine zum weitergeben dabei.
Ein drittes OLPC haben wir uebrigens am Stand von TinyMail gefunden, diese wurden anscheinend beauftragt einen Mail-Client fuer das OLPC zu entwickeln, welcher uns kurz vorgefuehrt wurde und schon sehr vielversprechend aussah – ein viertes soll auch noch auf dem LinuxTag vertreten gewesen sein, das habe ich aber nie gesehen. Bereits auf dem OLPC vorhanden waren ein Writer, ein Journal, ein Rechner, einige Spiele, ein Browser und ein Webcam-Viewer.
Fuer den Samstag wurden uebrigens am meisten Besucher erwartet – ich glaube das wurde so auch erfuellt. Eine Zeit lang war es wirklich ein Grossandrang, aber teilweise war es umso leerer. Wie erwaehnt haben wir um 17:00 mit dem Abbau begonnen – weil einfach kaum noch ein Besucher in der Halle war. Ich denke der Eroeffnungstag hatte aehnlich viele Besucher, aber besser verteilt. Insgesamt kamen uebrigens 9′600 Besucher zustande – knapp an den 10′000 erwarteten vorbei, aber trotzdem mit grossem Wachstum gegenueber dem Vorjahr.
Kushal Das hat in seinem Blog uebrigens verschiedene Video-Interviews veroeffentlicht, die er waehrend dem LinuxTag gemacht hat. Unter anderem kamen ihm Max Spevack (x2), Mike McGrath Nils Magnus (LinuxTag e.V.), Jan Wildeboer und viele andere vor das Objektiv.
Uebrigens wird der LinuxTag auch 2008 – zum erst zweiten Mal – in Berlin statt finden. Das genaue Datum fehlt noch, es soll aber wiederum Mai/Juni werden. Ich hoffe, es gibt auch dann wieder eine Fedora Booth (welche bereits in der Planungsphase steckt) und dass wir wieder ein grosses, bunt durchmischtes Team inkl. Red Hat Vertretern haben und dass die Atmosphaere unter den Ambassadors sowie mit den Red Hatlern, den anderen Projekten und Ausstellern und der Messe- wie auch LinuxTag-Leitung wieder mindestens so gut sein wird.
FUDCon
Donnerstags hielten wir noch eine FUDCon (Fedora Users and Developers Conference) – oder anders gesagt, an diesem Tag hatten wir den einen Konferenzraum ganz fuer uns. Mit dabei waren sicher einige sehr interessante Talks – ich habe aber nur den von Max Spevack verfolgt, ueber das neue F7. Ein grosses Highlight war sicher der Vortrag von Alan Cox ueber den neuen ATA Stack im Kernel – von einem der bedeutendsten Kernel-Entwickler ueberhaupt (der gleichzeitig auch Red Hat Angestellter ist). Ausserdem hat uns Alan noch 10 Kernel 0.01 Poster fuer unseren Merchandising Stand signiert, die dann fuer 20 Euro ueber die Theke gingen.
LinuxNacht
Die LinuxNacht war der Social Event fuer die Aussteller (evtl. der Oeffentlichkeit zugaenglich…ich bezweifle aber, dass viele nicht-Aussteller dort waren). Dort gab es ein im Preis inbegriffenes Buffet inkl. Desserts und jede Menge Freigetraenke (ok, diese sollen gegen Mitternacht dann auch ausgegangen sein – da war ich schon ne Weile wieder zurueck im Hostel). Ich bin mir nicht sicher, wozu der Social Event genau gedacht war – um den Ausstellern etwas Entspannung vom Messe-Alltag zu bieten oder fuers soziale Networking, IMHO hat aber beides nicht wirklich geklappt. Am Morgen danach waren dementsprechend auch die meisten Aussteller etwas lascher…und wir waren diesmal so ziemlich die ersten in der Halle 12 – zuvor waren jeweils schon einige aber noch lange nicht alle Staende vertreten.
red_alert meets Berlin
Ich war rund 5 Tage in Berlin, von Berlin habe ich aber fast gar nichts gesehen. Eigentlich wollte ich mir mal ein paar Stunde oder einen (Nachmit)Tag Zeit nehmen um wenigstens bisschen was zu sehen (das Brandenburger Tor und bisschen Shopping…evtl. noch den Fernsehturm und sonst noch 2-3 Sehenswuerdigkeiten). Eine andere Alternative waere auch gewesen in die Buslinie 100 oder 200 zu steigen und eine Rundfahrt damit zu machen – da soll man recht viel Sehenswertes sehen. Leider alles ohne mich, ich habs nich aus der Messe raus geschafft tagsueber.
Nicht so Abends. Da war die Zeit zwar eher knapp und alles dunkel, aber ich hab bisschen was gesehen – und zum Glueck bisschen was voraus gebucht, damit ich dann wirklich etwas von meinem Berlinaufenthalt hab. Aber zuerst einmal zu allem anderen – obwohl allem nach etwas viel klingt. Am Mittwoch Abend hatte ich nichts besseres zu tun und dachte mir gegen 23 Uhr mal, ich koennte die erste Currywurst meines Lebens probieren gehen. Ich wusste, dass aus Berlin eine der bekanntesten Currywuerste kommt (neben der aus dem Ruhrgebiet glaub ich) aber trotzdem nur eine langweilige Wurst mit jeder Menge Ketchup und etwas Currypulver. Aber vielleicht sollte ich mich ja irren und eine Currywurst ist wirklich etwas leckeres. Also hab ich an der Reception des Hostels nach einer guten Currywurst in der Naehe gefragt – ich wollte ja nicht daher kommen und behaupten Currywurst sei Scheisse und dann lags nur an dem Stand von dem ich sie her hab. So wurde ich dann zum Curry 66 an der Gruenberger Strasse 66 geschickt.
Ganz klar: die Currywurst ist sogar ein noch langweiligeres Essen als ich mir das je gedacht haette. Aber fuer deutsche Verhaeltnisse IMHO recht gut, immerhin nicht nur Pfeffer und Salz…
Danach bin ich noch an nem McDonalds vorbei gekommen und hab mir dort noch irgendwas mexikanisches gegessen – wieso sind in unserem McDo mal wieder keine mexikanische Wochen?! Aber eigentlich erwaehne ich das aus einem anderen Grund. Wenn man in einem deutschen McDo 1-2 Minuten auf das Bestellte warten muss, kriegt man ein Getraenk umsonst. Das habe ich bereits einmal in Konstanz erlebt, dort wurde mir ploetzlich und gratis ein 2dl Orangensaft hin gestellt beim warten. Diesmal fragte man mich ob ich 3dl Coke umsonst kriegen will und als ich ablehnte gab man mir einen Gutschein fuer eub freies 3dl Getraenk. Sowas hab ich in der Schweiz noch nie erlebt – und hier bin ich weitaus oefters im McDo als in D.
Und gleich noch eine positive Ueberraschung aus Berlin. Als ich dort hin flog habe ich ein nicht sehr nettes Volk erwartet – evtl. typisch grossstaedtisch, aber besonders schlimm. So wurde mir das bereits mehrmals unabhaengig geschildert, und natuerlich entspricht unser Bild des typisch Deutschen auch etwas diesem Stereotypen und ich kenne das auch bereits etwas aus Konstanz, wo ich schon n paar mal war. Aber angetroffen habe ich eigentlich mit sehr wenigen Ausnahmen (sehr) nette Leute – nicht gerade so nett wie die meisten Schweizer, aber dennoch ueberraschend nett.
Und laut RTL2 sind die Deutschen ja neuerdings die dicksten Europaer. Wundert mich nicht, ich habe eine Fast-Food-Kette entdeckt, dort gibt es als Mahlzeit (ich glaube es soll eine Mahlzeit darstellen) Donuts und Suessgetraenke. Find ich ja geil, als Donut-Liebhaber, aber da wird ja natuerlich jeder dick. Als Stammgast dieser Kette koennte man ja sogar ins McDonalds gehen um abzunehmen…
Was hab ich denn von Berlin sonst noch gesehen? Wenig. Sehr wenig. Ich habe noch zwei Musicals gebucht, dazu gleich – und hab halt den Weg von der U-Bahn jeweils dorthin gesehen. Sehr sehr wenig.
Musical: Disney’s die Schoene und das Biest
Dieses Musical laeuft derzeit im Theater am Potsdamer Platz, umgeben von verdammt vielen, verdammt grossen Kinos und gleich nebenan tritt wohl zur Zeit auch die Blue Man Group auf – die hab ich somit wohl leider verpasst. Ich habe eine ausverkaufte Vorstellung erwartet – der Saal war aber zu einem Drittel leer. Ausverkauft war wohl nur das Kontingent des Haendlers, bei dem ich das Ticket bestellt hatte. Links von mir (ich sass fast in der Mitte) war die ganze Reihe leer. Rechts von mir war alles voll, das Paar gleich neben mir tauchte aber nach der Pause nicht mehr auf – wieso auch immer.
Hier sollte ich noch sagen, dass ich ein sehr schlechter Reviewer bin (wem das beim lesen dieses Posts noch nicht aufgefallen ist, der ist wohl ein noch schlechterer Leser als ich ein Reviewer). Ich kriegs nicht hin meine Eindruecke in Worte zu fassen, und bei einem Musical-Review gibt es wohl kaum etwas wichtigeres – fakten sind da recht unwichtig. Und noch etwas macht mich ziemlich ungeeignet fuer diesen Job: Ich habe keinen Ahnung von den fachspezifischen Ausdruecken.
Jedenfalls fand ich das Buehnenbild sehr gelungen mit vielen schoenen Details. Es befand sich auch stets wieder in Bewegung, so dass viele verschiedene Bilder vorkamen, und oft zwischen diesen gewechselt wurde. Andere Musicals haben 3 Bilder, und jedes kommt genau einmal vor, gaehn.
Aber vielleicht sollte ich beim Theater selber anfangen. Dies wirkt sehr modern, aber dennoch angenehm in der Atmosphaere. Nahc der Ticket-Kontrolle dachte ich zuerst, ich sei in einem Spieltisch-Casino gelandet. Alles mit viel Stil und alles andere als billig gemacht. Aber es war nur der Eingangsbereich, wo man etwas trinken und seine Garderobe abgeben konnte. Der Vorfuehrsaal war in einer sehr aehnlichen Atmosphaere gehalten und erinnerte mich etwas ans Theater 11 in Zuerich. Jedenfalls soweit ich mich ans T11 erinnere.
Sehr schnell aufgefallen sind mir drei grosse Talente: ein junger aber sehr begabter Dirigent, der zuletzt auch grossen Applaus geerntet hat und Belle sowie das Biest, beide mit einer sehr beeindruckenden, schoenen Stimme. Leider sangen sie halt in Deutsch, aber das wusste ich ja auch im voraus.
Weniger begeisternd fand ich die eine oder andere Szene, die mich etwas an einen Zirkus oder den deutschen Karneval erinnert haben – und das wohl nicht zu unrecht, Musik und Tanzeinlagen dieser Szenen stammten ganz sicher von dort. Zum Glueck waren diese Szenen aber selten und eher kurz.
Sehr spritzig fand ich jedoch den geschickt eingeflochtenen Humor, den ich in dieser Geschichte eher weniger erwartet haette. Nicht zuletzt deswegen war dies wohl ein Musical fuer jung und alt – was sich auch im Publikum wiedergespiegelt hat.
Vermisst habe ich die Zugabe, trotz grossen Applauses. Es gab keine Standing Ovations – aber ich bin mir sicher, eine Zugabe haette dies geaendert. Man konnte foermlich spueren, wie die Leute aufstehen wollen – nur ganz wenig hat gefehlt. Auch fuer mich persoenlich.
Musical: Tanz der Vampire
Einen Abend spaeter, Samstag Abend, habe ich mich zum Theater des Westens begeben um dort ein weiteres Musical geniessen zu koennen. Leider war dort das benutzen des Notebooks vor Beginn und in der Pause verboten, wodurch ich mir erst nachtraeglich Notizen anfertigen konnte – und dadurch geht bei mir rasch viel verloren. Dass das Notebook waehrend dem Spiel verboten ist, verstehe ich ja – aber zuvor und in der Pause? Nein, das macht fuer mich keinen Sinn.
Das Theater war diesmal eher klassisch gehalten, mit grossen Vorhaengen auf der Seite und zwei Kronleuchtern. Das Buehnenbild war jedoch recht eintoenig, ein grossteil spielte in/vor einem Haus, das sich zwar rund herum drehte, mehr war da aber nicht heraus zu holen. Auch die Story an sich war recht lasch, eine typische Vampirstory ohne jegliche Besonderheiten.
Alfred wurde von Alexander Klaws (bekannt aus DSDS) gespielt – und hatte eine wirklich gute Stimme und konnte auch gut spielen – beides hat mich etwas ueberrascht. Noch mehr ueberrascht hat mich, dass eigentlich jede Rolle mit einem wirklich guten Saenger bestueckt war – oftmals sind die eher unwichtigen Rollen eher schlecht als recht besetzt. Aber nicht hier, alle hatten eine kraeftige, schoene Stimme. Besonders uebrigens der Graf. Sehr gut gespielt und ebenfalls mit einer sehr guten Stimme gesegnet war der spritzige Professor. Dies ist IMHO auch die interessanteste Figur im ganzen Stueck.
Leider konnte ich hier kaum in diese gruselige Welt dieses Grusicals entfuehrt werden, da half es auch nicht, dass die Schauspieler des oefteren mal zwei Reihen hinter mir durch das Publikum gerannt sind. Einmal versuchte man auch etwas Verwunderung in die Sache zu bringen, als Krolock’s Stimme ploetzlich von verschiedenen Seiten zu hoeren war – aber hier drehten sich die Leute nichtmal um, allen war klar, dass dort einfach ein Lautsprecher steht und fertig.
Jedoch sehr gelungen waren die Spiegel, in denen man die Vampire nicht sah, alle anderen jedoch schon. Das Raetsel des Geheimnisses (leider sehr gut zu sehen) war ein zweiter Schauspieler, fuer jeden nicht-Vampir, auf der anderen Seite des Spiegels.
Das Ende fand ich nicht gerade den Hoehepunkt, wie das bei solchen Inszenierungen normalerweise der Fall war – aber vielleicht ging das auch nur mir so. Das Musical war den Besuch sichert wert, da habe ich weitaus schlimmeres gesehen – aber zu meinen Lieblingen wird es sicher nie zaehlen, nur der Professor war wirklich einsame Klasse.
Zum Schluss gab es zoegerlich eine Standing Ovation, diese begann mit 5-6 Leuten am Rande des Publikums und nach recht viel Zeit stand dann das gesamte Publikum (ein grossteil wohl wegen des “hey, wenn du vor mir aufstehst seh ich ja nix mehr ausser wenn ich auch aufsteh”-Effekts. Jedoch gab es auch diesmal keine Zugabe – das scheint in Berlin wohl normal zu sein so.
Rueckreise
Die Rueckreise verlief aehnlich wie die Anreise: ich musste verdammt frueh aufstehn. Ok, diesmal hab ich zuvor wenigstens 5 Stunden geschlafen und ich hab mich eigentlich sehr fit gefuehlt (obwohl ich seit 2 Tagen etwas husten hatte). Diesmal klingelte der Wecker um 05:00, dann kurz auschecken und zum Ostbahnhof, wo ich auf den AirportExpress gegangen bin. Damit kam ich zwar viel zu frueh am Flughafen an, aber spaeter fuhren nur noch S-Bahnen zum Flughafen und die brauchen fast doppelt solange – damit haette ich etwa 10 Minuten spaeter auf den Zug gemusst nur um viel laenger zu fahren. Nach dem check-in am Flughafen – EasyJet hat dort uebrigens ein eigenes Terminal – hatte ich noch etwas Zeit zum shoppen (nich, dass es an nem kleinen Flughafen etwas interessantes zu kaufen gaebe) und im BurgerKing etwas zu essen, damit ich auf der Heimreise nich verhungere.
Trotz der fruehen Morgenstunde hatte es doch einige LinuxTag Aussteller auf dem Flug nach Basel – einige habe ich wiedererkannt, andere erkannte man an den geekigen T-Shirts.
Weil ich so frueh am Flughafen war, konnte ich diesmal in der Gruppe A an Board gehen – Gruppe A kommt nach den Speedyboardern (die einen abartig hohen Aufpreis dafuer bezahlen und jeweils nur sehr wenige sind) und vor Gruppe B – allen anderen. In die Gruppe A kommt man auf zwei arten rein: check-in via Internet (geht nur, wenn man nur mit Handgepaeck reist) oder einer der ersten 30 sein, die einchecken – ich war Nummer 25. Diesmal kam ich dann auch zu einem der besten Plaetze – zweitvorderste Reihe am Fenster. Ideal zum schlafen, das habe ich dann auch noch etwas genutzt.
Wieder in Basel angekommen hiess es erneut aufs Gepaeck warten. Im Hintergrund sah ich eine Anzeige, wann der naechste Bus zum Bahnhof Basel SBB abfahren wuerde – reichlich Zeit. Naja, wenn denn das Gepaeck endlich mal raus kommen wuerde. Danach noch durch die Passkontrolle, wo sich eine kurze Schlange gebildet hatte und kurz vor Abfahrt noch auf den Bus gesprungen – viel zu viel Zeit ging mit warten aufs Gepaeck verloren. Der Bus war vollgestopft, aber es reiste sich halbwegs bequem.
Leider habe ich dann meinen Intercity nach Thun um einige Minuten verpasst, aber ich hatte ja genug Zeit, es war immer noch Morgen und ich hatte den ganzen Tag nichts anderes zu tun. Schlussendlich kam ich dann 1-2h frueher zuhause an, als ich urspruenglich erwartet hatte.
Ach uebrigens. Viele belaecheln mich immer, wenn ich meinen Koffer mit einem kleinen Schloss abschliesse. “Denkst du wirklich, das hindert einen Dieb?” Nein, das denke ich nicht. Aber a) weiss ich damit genau, wenn jemand meinen Koffer geoeffnet hat. b) weiss ich, dass niemand etwas in den Koffer rein getan hat (heutzutage wird man ja beim einchecken auch imemr gefragt, ob man das sicher ausschliessen koenne) – deswegen ist ein Schloss fuer Reisen in die USA sogar obligatorisch, c) geht der Reisverschluss nicht einfach so mal auf, weil zuviel drin ist. Wieso ich das erzaehle? Naja, in Basel lagen zwei Koffer halb offen auf dem Gepaeckband. Beide hoffnungslos zu voll gestopft, aber ich bin mir sicher, mit einem Schloss waeren beide Koffer geschlossen angekommen.
PS.
In Liberation Sans 12Pt und 2cm Margin ergibt dieser Post in OOo (oowriter) 8 Seiten voll. Hoppla, als ich zu Beginn schrieb, dass dieser Post nicht ganz so kurz geraten wuerde, dachte ich an 2-3 Seiten. Jetzt hab ich wenigstens eine Entschuldigung, wieso ich eine Woche dafuer gebraucht habe. Und ich hab mich ernsthaft noch kurz gehalten. Naechstes Jahr schreibe ich eine Diplomarbeit ueber den LinuxTag, ich krieg locker genug Seiten zusammen ;)
…dieses Jahr wurde uebrigens eine Diplomarbeit ueber den LinuxTag geschrieben, das ist beim kurz halten jetzt ganz weg gefallen.
